CascarudaVeranstaltungenMediengalerieAusbildungLinks

Revival Race 2002

siehe Mediengalerie/2002/Revival Race 2002

.

EINE REGATTA DER ANDEREN ART









Ein Bericht von Reinwald Hierzer

Es war da einmal ein Gedanke, eine Idee, eine Regatta zu segeln, ohne den absoluten Druck einer sportlichen Veranstaltung zu spüren. Wir, einige altgediente Hasen, bereits leicht ergraut bis weiss, also keine gerade Frischgefangten, setzten uns zusammen und brachten unsere Vision auf den Punkt. Mit ein Grund: Eine Anzahl von Gleichgesinnten, meist gleichen Alters wie wir, segeln in der Zwischenzeit im außerirdischen Revier und bevor noch mehr von uns die Seite wechseln, wollten wir die Übriggebliebenen wieder sehen um unsere Freundschaft zu beleben. Ansprechen wollten wir alle Segler, unabhängig ihrer Clubzugehörigkeit, es sollte eben eine Veranstaltung werden, die verbindet und nicht trennt. Ein weiterer Wunsch von uns sollte dabei berücksichtigt werden. Irgendwann einmal waren wir ein verschworener Haufen, viele von uns haben gemeinsam "den Schein" gemacht und dann verloren wir uns aus den Augen. Jeder ging seinen Weg und diesem Auseinandertriften sollte mit dieser Regatta Einhalt geboten werden. Ein Name für unser Vorhaben war schnell gefunden, unter

"REVIVAL-RACE 2002"

gingen wir an die Arbeit.

Um im Vorfeld einmal gleiche Bedingungen zu schaffen mussten Schiffe gleicher Bauart gefunden werden und das gelang uns vortrefflich. Über ADRIA-CHARTER konnten wir 10 SAS 39 Schiffe ab SUKOSAN reservieren. Dies war Ende Dezember 2001 fix. Wir hatten eine Option auf die Boote von 14 Tagen bekommen und innerhalb dieser Zeit sollten auch die Skipper und deren Crews gefunden werden. Hansi, der Oberideenträger, klemmte sich hinters Telefon, auch in seiner Homepage (www.early.at) wurde kräftig geworben und innerhalb einer Woche hatten wir die Bescherung. Wir hatten 12 Kandidaten aber nur 10 Schiffe. Aber auch dieses Problem konnte gelöst werden und so war der erste wesentliche Schritt vollzogen. War bislang Segeln vornehmlich eine männliche Domäne, so konnten wir auch eine Damencrew aufweisen.

Damit ging das Teilnehmerfeld nicht nur quer durch alle Segelclubs sondern schloss auch das weibliche Geschlecht ein. Als dann auch noch die Gelder für die Anzahlung zeitgerecht einlangten, wussten wir, dass unsere Veranstaltung stattfinden wird. Zu aller Letzt konnten wir noch einen kompetenten Mann für die Regattaleitung mit Peter Reisinger gewinnen und damit waren wohl alle Unklarheiten beseitigt.

Bis zum 28.September - das war der Anreisetag nach Sukosan - blieb dann Zeit genug die restlichen organisatorischen Dinge zu regeln, sodass wir termingerecht in den Bus klettern konnten.

Die Fahrt nach Sukosan verlief problemlos, wir brauchten - dank unseres Fahrers Stephan von HÖRZER-REISEN, Hitzendorf - an keiner Grenze Pässe auspacken. Zudem hielt er auch noch in ZADAR an einem Supermarkt für restliche Wünsche der Pantries. In der Marina angelangt galt unserem vornehmlichen Interesse die Schiffsübernahme und auch hier ging alles glatt und rasch über die Bühne. ASTA und ADRIATIC CHARTER haben für Massenabfertigungen anscheinend viel Routine und Kompetenz. Nachdem die Crews ihre Schiffe beladen und seeklar gecheckt hatten blieb noch Zeit für das eine oder andere Schwätzchen im Marinarestaurant. Bald jedoch hörte man von so manchem Schiff das friedliche Schnarchen müder Seelen.

Am Morgen des 29.9. kletterten wir einigermaßen ausgeruht aus unseren Kojen und begaben uns zum ersten Briefing. Es war kalt und die Bora blies uns bei bedecktem Himmel ein kräftiges Lied. Einstimmige Entscheidung der Skipper: Freies Segeln bis in die U.SOLINE auf der Südwestseite von PASMAN. Jede Crew sollte ihr Schiff kennenlernen. Es war ein Erlebnis, bei gutem Wind die Möglichkeiten von Schiff und Crew auszuloten und wir sollten schneller am Ziel sein als wir eigentlich wollten. An den Bojen in der Bucht ging dann jeder dem Wesentlichen, der Nahrungsaufnahme, nach, es blieb natürlich auch noch viel Zeit für Ratsch und Tratsch auf dem einen oder anderen Schiff. Aufgefallen ist, dass es fast immer das Damenschiff war, das begehrt wurde.

Die erste Wettfahrt am nächsten Tag führte uns zuerst nach NW zum Feuer vor der Nord- spitze der Insel SIT, wo so mancher an Erich, den wir hier bestatteten, dachte, dann zurück und vorbei am HR.GALIJOLICA zur Südhuk von VRGADA zum Ziel zwischen Insel RADELJ und MURTER. War auf dem Schlag nach NW Leichtwind das Thema, ging es in weiterer Folge recht munter zur Sache. 5 - 6 Beaufort waren es allemal, in Böen sicher mehr. In der Marina HRAMINA wurde der Tag dann ausführlich besprochen und natürlich auch der eine oder andere Topf zur Brust genommen. Unter Lachen, Scherzen und Singen ging auch dieser Tag zu Ende.

Der nächste Tag, inzwischen schrieben wir den 1.Oktober, war endlich schön und etwas wärmer. Die Bora hatte die Nacht auch überlebt und somit war schönes Segeln garantiert. Wir hatten beschlossen, weiter nach Süden, in die POTKUCINA, eine Bucht zwischen KAKAN und KAPRIJE, zu gehen. Nach dem Start hatten wir noch Wind mit etwa 3 Bf., der, je weiter wir nach Süden kamen, immer mehr einschlief.

Schien Toni anfangs schier uneinholbar, so hatte er alle Hände voll zu tun, seinen Vorsprung ins Ziel zu retten. Das Feld hatte mächtig aufgeholt und so mancher träumte wohl, ihm noch den Sieg streitig zu machen. Es gelang fast, aber eben nur fast.

Die Nacht auf den 2.10. war etwas unruhig, die Bora hatte sich die Seele aus dem Leib gepustet und am Morgen war es dann vorbei mit ihr. Bei leichtem Wind starteten wir die 3.Wettfahrt und wurden von der Regattaleitung nach 5 Minuten zurückgepfiffen. Zwei Frühstarter wurden festgestellt und da angeblich die Startlinie nicht klar war, wurde ein Neustart durchgeführt. Diesmal sollte alles klappen, leider war der Wind, inzwischen SE, davon nicht beeindruckt und legte eine Pause ein. Als bereits alles mit einem Abbruch rechnete, kam eine Brise auf, diesmal aus SW bis W und wieder wurde es ein schöner Segeltag. Das Ziel, Südhuk KORNAT und Nordhuk SKULJ war vom Sieger bald nach 14:00 erreicht.Das restliche Feld folgte innerhalb einer halben Stunde. Bis in die Marina PISKERA wurde dann noch "lustgesegelt". Dass das Leben am Steg auch nicht ganz ungefährlich ist, zeigte uns Peter mit einem Sturz, verursacht durch Bruch, von einer Pasarella. Davon, dass er das mächtig durch Sprünge, wie weiland Rumpelstilzchen, provozierte, wollen wir fairer Weise auch erwähnen. Jedenfalls, er hatte die Lacher auf seiner Seite und die nassen, triefenden Klamotten, am eigenen Leib.

"JUST 4 FUN" war auch ein Motto für diese Regatta und dem trugen wir mit einem Leinenzielwerfen Rechnung.

Dieser Juxbewerb wurde normal wie jede andere Wettfahrt gewertet und nicht einer der "gestandenen Segler" hat dagegen gewettert. Wie schon gestern, durch den Rückruf des gesamten Feldes, auch hier war wieder zu sehen, dass das Motto der Veranstaltung - Freunde treffen Freunde und neue kommen dazu - aufzugehen schien. Die 4.Wettfahrt mit Ziel, Peilung 90° auf das LF SESTRICE, war dann eine richtige Plage. Mehr geschoben vom Strom als vom Wind dauerte diese fast 5 Stunden und so mancher verzweifelte und überließ sein Schiff sich selbst. Trotzdem gab es einen spannenden Zieleinlauf und einen Sieger. Durch die PROVERSA ging es dann in die Marina ZUT. Der Wind hatte sich in der Zwischenzeit total verabschiedet und so sollte es auch für die Nacht bleiben.

Für den letzten Tag hatten wir uns als zweiten Juxbewerb ein Dinghi-Rennen vorgenommen. Entlang der Innenmole wurde eine Bahn abgesteckt und als Erschwernis musste an der Wendemarke ein Whisky getrunken werden. Es war eine Freude, mit welchem Eifer die Teams ans Werk gingen.

Böse Zungen behaupteten, dass daran nur der offiziell genehmigte Whisky schuld gewesen sei. Aufgefallen ist jedenfalls, dass die Zeit für die Bahn nach der Wendemarke in allen Fällen schneller war. Woran das wohl lag ?

Mangels Wind wurde für den Weg zurück nach SUKOSAN keine Wettfahrt mehr eingeplant. Unterwegs ab PASMAN-SÜD kam zwar wieder Wind aus NW auf, wirklich gesegelt ist jedoch niemand mehr aus dem Feld. Das Procedere der Schiffsübergabe gestaltete sich ebenso unproblematisch wie die Übernahme. Unser Bus brachte uns dann noch nach BIOGRAD ins Restaurant "MEDUZA" wo wir unsere Abschlussveranstaltung abhielten.

Es war eine Woche Segeln der anderen Art. Wohl jeder hat diese Zeit genossen, alte Freundschaften wurden aufgefrischt, andere neu begründet. Spaß und nicht Krampf und Kampf stand im Vordergrund und niemand missgönnte dem Sieger Toni seinen Sieg. Sieger waren wir wohl alle, wir haben eine Idee gelebt, Toleranz geübt und das Gemeinsame vor dem Trennenden gestellt. Was konnte wohl schöner sein für uns, wir trennten uns als Freunde und insgeheim spielt sicher so mancher mit dem Gedanken, beim einem nächsten Mal wieder dabei sein zu wollen. 

Reinwald Hierzer 

zurück zur vorhergehenden Seiteback Letzte Änderung: 2004/11/10 | © 2003 by CYC | Impressum | Nutzungsbedingungen Seitenanfang  Seitenanfang